Gesprächsgruppen / Gruppentherapie
oder: die Form, die zunächst oft zweifeln lässt, ob das überhaupt etwas bringt.
Mittlerweile nimmt es immer stärker zu, dass statt Einzeltherapien nur noch Kombinationen angeboten werden.
Gruppe? Echt? Da soll ich was erzählen? Bringt das was? Artet das nicht in Gelaber aus?
Oder kann mich das herunterziehen, wenn ich anderen bei ihren Problemen zuhören soll, obwohl ich doch selbst genug habe? Komme ich da nicht zu kurz?
Klar, berechtigte Zweifel.
Gleich vorweg eine Antwort darauf: Ja, doch, Gruppentherapie kann sogar sehr helfen.
Wie läuft eine Gesprächsgruppe ab?
Zunächst vorneweg: Eine gute Gesprächsgruppe hat eine Leitung. Es gibt psychoedukative Gruppen und Gruppentherapie.
Diese Ausrichtung bestimmt dann auch, wer überhaupt so eine Gruppe leiten darf: Sozialarbeiter*in, Sozialpädagog*in, Psycholog*in oder Therapeut*in.
Die Leitung achtet darauf, dass alle zu Wort kommen, die wollen, es nicht zu viel wird, dass der Dialog der Beteiligten wertschätzend und vor allem wohlwollend abläuft.
Es gibt natürlich Themen, die in Einzelgespräche gehören, z. B. traumatische Erfahrungen, Suizidgedanken usw.
Gewöhnlich können alle Beteiligten zu Beginn der Sitzung ein Thema vorschlagen, das persönlich gerade beschäftigt, bei dem Hilfe benötigt wird usw.
die Wahl des Themas kann dann unterschiedlich geschehen.
Entweder auf diese Weise: Die Gruppe wählt ein Thema aus, wobei es meist sogar so ist, dass sich Themen verbinden lassen oder alle bereits beim ersten Vorschlag
feststellen, dass es sie ebenso betrifft. das erinnert mehr an eine Abstimmung.
Andere Variante: Wer ein Thema hat, stellt es kurz vor. Gibt es mehrere Leute, notieren diese verdeckt eine Zahl auf einen Zettel. Die Zahl 0 steht für unwichtig, die 10 für
„dringend/belastet mich stark“. Die höhere Zahl entscheidet.
Themen, die dieses mal nicht dran kamen, können entweder auf einer Liste landen (Sammelplatz) und/oder beim nächsten Mal nochmals eingebracht werden.
Danach schildert die Person (oder die Personen) detaillierter ihr Problem, damit es für alle nachvollziehbar ist. Oft folgt nochmals eine Art
Kurzzusammenfassung, eine Fragerunde und eventuell konkrete Fragen der Leitung, um mögliche Unklarheiten auszuräumen. Oft wird auch eine Frage formuliert,
zu der gemeinsam eine Lösung gesucht werden soll.
Dann beginnt der Gruppendialog. Alle dürfen ihre Sicht oder Erfahrungen, ihre Ideen einbringen, nachfragen usw. Gemeinsam wird also eine mögliche Lösung bzw.
meist mehrere Lösungsansätze erarbeitet. Und ja, es ist Arbeit. Genau so, wie eine Projektgruppe an einem beruflichen Problem arbeiten würde.
Die Gruppenregeln
Es gibt einige Gruppenregeln, die ich als sehr wichtig ansehe. Allem voran die Regeln: Was in der Gruppe besprochen wird, das bleibt in der Gruppe.
Ohne Vertrauensbasis kann man sich ja schlecht öffnen. Ebenso wichtig finde ich es, dass nacheinander gesprochen wird und möglichst nicht durcheinander. Exkurse
sind möglich, doch das Gespräch bleibt beim Hauptthema und wird notfalls wieder dorthin zurück gelenkt.
Alle sind gleichberechtigt und gleich gut. Hier gibt es keinen Wettbewerb, wer besser ist oder wer kränker ist. Jede*r darf seinen Teil einbringen.
Der Grundton ist wertschätzend und wohlwollend, was bedeutet, dass Probleme nicht kleingeredet werden. Was für dich locker machbar ist, kann für die andere Person ein
Riesenberg sein. Und umgekehrt!
Die Annahme von Lösungen und Vorschlägen bzw. die Umsetzung ist Sache der Person, deren Problem das ist. Diese Person ist Experte für das eigene Leben.
Niemand kann dementsprechend Vorschriften machen oder böse sein, wenn ein Vorschlag für die andere Person nicht passt. Und ja, das ist okay.
Ratschläge sind sonst plötzlich Schläge – genau das soll hier nicht sein.
Hilft so eine Gesprächsgruppe? Wenn ja, wie?
Es kommt auf die Gruppe an, auf die Leitung sowie auf deine Einstellung.
Während der Reha fand ich dieses Kommen und Gehen von Mitglieder der Gruppe schwierig.
Bei einer ständig wechselnden Zusammenstellung fällt es mir schwer, über meine tatsächlichen Probleme zu sprechen.
Negativ fand ich es auch, als dann noch ständig jemand anderes die Gruppe leitete. Das ist ja so gar nichts meins...
Es geht aber auch anders! Zum Beispiel bei meiner festen Therapiegruppe oder bei den psychoedukativen Gruppen in der PIA, die ich bisher besuchte. Dort leitet immer die gleiche Person die Gruppe und die Zusammenstellung ist fest. Dann entsteht bei mir Vertrauen, da ich allmählich die einzelnen Menschen kennen und einschätzen lerne, von ihnen etwas erfahre und bereit bin, sie auch über mich etwas erfahren zu lassen. Vor allem, wenn ich feststelle, dass sich ihre und meine Themen oft überschneiden.
Wenn eine Gruppe länger zusammenarbeitet, dann kommen auch z. B. Rückmeldungen, die Fortschritte verdeutlichen. Hilfreich ist es, wenn auf Entwicklungen in die falsche Richtung hingewiesen wird, oder auf die alten Stolperfallen. Angenehm ist es, dass alle betroffen sind, alle wissen, dass sie sie sein dürfen und sich Freundschaften entwickelt haben, die garantiert nicht oberflächlich sind.
Mir hat es schon sehr geholfen, einfach zu merken, dass ich nicht alleine bin, und dass ich verstanden werde. Viele Perspektiven bringen obendrein bei der Lösungssuche
mehrere Ansätze, die aus dem Tunnel helfen.
Trotzdem: Manches bespreche ich lieber in der Einzeltherapie. Ich finde, die Mischung ist ideal, also Einzel- und Gruppentherapie.